Instrumente in der Therapie: Bedeutung und Begegnung

Artikel 2
Ein Raum voller Instrumente – und keiner weiß, was tun?



Du betrittst den Raum.
Instrumente sind da.

Trommeln.
Klangschalen.
Vielleicht ein Klavier in der Ecke.

Ein Raum voller Möglichkeiten.

Und gleichzeitig:
eine leise Unsicherheit.

Was mache ich jetzt eigentlich damit?



Das unausgesprochene Problem

Viele Kolleg:innen kennen diesen Moment.

Nicht, weil sie keine Ideen hätten.
Sondern weil sie spüren:

👉 Es reicht nicht, einfach etwas anzubieten.

Ein Instrument hinzustellen ist noch keine Therapie.
Ein Klang noch keine Intervention.

Und genau da beginnt die Unsicherheit.



Zwischen Angebot und Bedeutung

Oft passiert dann eines von zwei Dingen:

Entweder:
👉 Man macht „ein bisschen Musik“
– ohne klare Richtung

Oder:
👉 Man bleibt beim Gespräch
– und lässt die Instrumente unangetastet

Beides fühlt sich irgendwie nicht stimmig an.



Der entscheidende Perspektivwechsel

Vielleicht liegt die Schwierigkeit gar nicht darin,
was man mit den Instrumenten macht.

Sondern darin,
wie man sie versteht.

Ein Instrument ist nicht nur ein Instrument.

Es kann werden:
• ein Gegenüber
• ein Ausdruck
• ein Stellvertreter für etwas Inneres

Oder ganz einfach:
ein erster Zugang.



Ein kleiner Moment aus der Praxis

Ein Jugendlicher sitzt im Raum.
Unruhig. Abwehrend. Aber grinsend.

Die Trommel steht zufällig zwischen uns. Ein Regenmacher in Reichweite.

Ich sage nichts dazu.
Ich erkläre nichts. Ich hab eine spontane Idee:
Ich dreh die Trommel nur um mit der Öffnung nach oben und fange an, den Regenstabklang "hineinzufüllen".

Er schaut kurz.
Zögert. Nimmt eine Rassel und tut das Gleiche. Nach und nach füllen wir verschiedenste Klänge in das "Trommelgefäß".

Nicht rhythmisch.
Nicht „musikalisch“. 

Ich sage : "Voll bis obenhin!" und richte die Öffnung auf ihn. 

Er sagt: "Sieht so´n bisschen aus wie ´ne Kanone ?!"

Und genau dann beginnt der Spaß .....



Es geht nicht um Musik

Zumindest nicht im klassischen Sinn.

Es geht nicht darum:
• richtig zu spielen
• etwas Schönes zu erzeugen
• musikalisch „gut“ zu sein

Sondern darum,
dass etwas entsteht,
das vorher nicht da war.



Ein Gedanke zum Schluss

Vielleicht ist ein Raum voller Instrumente
keine Sammlung von Möglichkeiten.

Sondern eine Einladung.

Nicht zu Musik.
Sondern zu Begegnung.

Und manchmal reicht dafür
eine ungewöhnliche Idee.



📘 Hinweis

Mehr über den gezielten Einsatz von Instrumenten,
über Inszenierung, Symbolik und konkrete Zugänge
findet sich im Buch:

„Die Kraft der Musik in der Jugendlichen Psychotherapie“

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